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Schilddrüsenszintigraphie

Uptake Rechner

Normgrenzen Süddeutschland für den UptakeTSH1

Die Normgrenzen für den Schilddrüsenuptake – normalisiert auf TSH von 1 mU/l – sind:

2,40 %TSH1 für die obere Normgrenze und
0,24 %TSH1 für die untere Normgrenze.

Datengrundlage

Der Uptake-Rechner wurde aus den Daten von drei verschiedenen nuklearmedizinischen Versorgungseinheiten erstellt. Über 100 Patienten mit normaler Schilddrüsenfunktion gingen darin ein. Besser ist es aber, sich selbst Normwerte für seine eigene Praxis anhand von „Normalpatienten“ zu erstellen. Das Verfahren hierzu kann leider an dieser Stelle noch nicht gezeigt werden, da es sich gerade im Status vor Publikation befindet. Jedenfalls genügt es nicht, einfach den Mittelwert aller Uptake-Werte und dann das 95%-Konfidenzintervall dazu berechnen.

Verwendung des Uptake-Rechners

Der Uptake-Rechner gibt einen groben Anhalt, welcher Uptake – in Relation zum aktuellen TSH – noch normal ist. Dazu einfach den am besten zeitgleich mit des SD-Szintigramm erhobenen TSH-Wert und den aktuellen Uptake eingeben. Der Rechner rechnet dann den aktuellen „rohen“ Uptake aus. Die Korrektur erfolgt anhand der Steigung der gefundenen Regressionsgeraden zwischen TSH (x-Achse) und Uptakeroh (y-Achse). Da die Verwendung von Normgrenzen für den Uptake noch kein nuklearmedizinischer Standard ist, sind die Ergebnisse nur zur Orientierung und für den Eigengebrauch gedacht.

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Das Schilddrüsenszintigramm

Interview

In diesem Beitrag wird ein Interview gezeigt (s.u.), das ein Schüler der 11. Klasse in Augsburg für eine Seminararbeit zum Schilddrüsenszintigramm mit mir führte. Der Schüler hat das Interview vorbereitet und es ist eigentlich nur durch Zufall aufgezeichnet worden. Als es fertig war, war festzustellen, dass der Schüler alle wichtigen Fragen zur Schilddrüsenszintigramm gestellt hatte, wie sie z. B. ein interessierter Patient auch hätte stellen können. Deshalb ist es in diesem Blog gelandet.

Das Interview fängt mit klinischen Fragen an, also bei welcher Gelegenheit man das Schilddrüsenszintigramm durchführt. Hierbei wird von mir auch etwas in die Vergangenheit abgeschweift. Im Mittelteil wird das Interview relativ technisch, wobei Durchführung und physikalisch-technische Voraussetzungen sowie Algorithmen besprochen werden. Am Ende geht es um einen Ausblick und auch den Blick über den Tellerrand, d. h. wie die Schilddrüsenszintigraphie international gesehen und angewendet wird.

Hier gehts zum Interview, es dauert ca. 45 min.

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Schilddrüsen-Szintigraphie bei Knoten

Die Schilddrüsen-Szintigraphie ist in Deutschland und Europa meist die erste weiterführende Untersuchung, wenn ein Schilddrüsenknoten im US aufgefallen ist (siehe auch TIRADS). Eine typische Indikation ist der mindestens 1 cm durchmessende, zumindest teilsolide (also nicht nur zystische) SD-Knoten. In den USA wird die SD-Szintigraphie oft übersprungen und bei sonographisch suspekten Knoten gleich zur Feinnadelpunktion geschritten (siehe Beitrag Feinnadelpunktion). Davon unbeschadet wird die SD-Szintigraphie häufig zur Funktionsbeurteilung der gesamten Schilddrüse (siehe Beiträge zur Schilddrüsenfunktion) oder auch aus anderer Indikation (Beurteilung der Ausdehnung einer Struma bei sonographisch schwieriger Abgrenzbarkeit, Erfolgsnachweis nach Radiojodtherapie, vor Jodbehandlung) durchgeführt.

Für die szintigraphische Beurteilung eines SD-Knotens gibt es nur drei Kategorien:

  • heiß
  • kalt
  • indifferent

Der „heiße“ Knoten speichert mehr radioaktive Substanz als die übrige Schilddrüse, was im Bild gut als „hot spot“ sichtbar ist. Falls die übrige Schilddrüse eine normale Funktion hat, bedeutet dies meist, dass der „heiße“ Knoten „zu viel“ Schilddrüsenhormon produziert. Deshalb wird der heiße Knoten oft auch als „hyperfunktioneller“ Knoten oder auch -pathohistologisch nicht immer korrekt – als autonomes Adenom bezeichnet. Unter dem Strich führen die meisten „hyperfunktionellen“ Knoten aber noch nicht zu einer SD-Überfunktion im Blut. Meist besteht also noch Euthyreose („TSH normal“).

Die wichtigste Information aus dem Befund eines heißen Knotens ist, dass solche Knoten nur höchstselten (< 1% der Fälle) maligne sind. Eine weitere Abklärung der Dignität kann daher unterbleiben. Der „kalte“ SD-Knoten steht in dieser Hinsicht genau auf der anderen Seite des Spektrums. Er ist im szintigraphischen Bild als „cold spot“ erkennbar, speichert also weniger Radionuklid als die übrige SD. In 5 bis 10% der Fälle ist ein kalter SD-Knoten maligne – zumindest wenn die szintigraphische „Kälte“ nicht durch größere zystische Anteile im Knoten erklärt ist. Somit muss ein (teil-)solider, „kalter“ Knoten (über 1 cm Durchmesser) in aller Regel weiter abgeklärt werden, sei es durch eine Feinnadelpunktion oder gleich durch eine SD-Operation. Die meisten SD-Karzinome (ca. 90%) sind szintigraphisch „kalt“.

Der indifferente Knoten steht gewissermaßen zwischen „heißem“ und „kaltem“ Knoten, was die Dignitätsbeurteilung angeht. Im Klartext heißt das, dass man bei einem indifferenten Knoten keine weiteren Schlüsse aus dem Szintigramm ziehen kann, ob ein Knoten weiter abgeklärt werden soll. Diese Entscheidung fusst dann ausschließlich auf dem Ultraschallbild, etwaigen Symptomen und Befunden (z. B. nicht gut schluckverschieblicher Knoten) oder der Anamnese (z. B. wachsender SD-Knoten). Man sollte nicht den Fehler machen und einen „indifferenten“ Knoten als „normal“ anzusehen. Es gibt SD-Karzinome (ca. 10%), die szintigraphisch indifferent aussehen, sei es, dass sie tatsächlich eine Radionuklidaufnahme vergleichbar zur übrigen SD haben, sei es, dass sie einfach noch klein sind oder etwas „versteckt“ in der Schilddrüse liegen – bezogen auf das Szintigramm bedeutet dies eine dorsale Lage – und so nicht als „cold spot“ erkannt werden können.